CHRISTIANE SCHEDELGARN

“metamorph”         Collagen 2009

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Einführungsrede zur Ausstellung (in Auszügen) 

Apospasmen von Christiane Schedelgarn

Als mich vor einiger Zeit Christiane bat, ihre letzten Arbeiten vorzu-stellen, habe ich ein wenig gezögert. Denn die Arbeiten, die sie hier heute sehen, sind ohne Zweifel ausdrucksstark und reizvoll genug, um jeden von uns direkt anzusprechen. Eigentlich bedürfen sie keiner Interpretation. Sie sprechen für sich selbst.....

Christiane Schedelgarn ist erst vor kurzem nach Berlin gezogen. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet sie als freischaffende Künstlerin vor allem im norddeutschen Raum. In dieser Zeit hat sich die Quereinsteigerin, wie sie einmal ein Kunstkritiker nannte, einen Namen gemacht...

Ich selbst habe die Arbeiten von Christiane erst vor einigen Monaten kennengelernt. Sehr schnell haben wir uns angefreundet. Aber Vorsicht! Ich meine nicht Christiane Schedelgarn persönlich, die zwar auch Freundin von mir geworden ist, sondern ihre Arbeiten selbst. Ich mag sie und ich bilde mir ein, sie mögen mich. Es entstand ziemlich schnell eine Kommunikation zwischen uns. Die Bilder sprechen mich an und ich antworte. Das Material berührt mich. Diese Art von Mischtechnik habe ich immer gemocht. Es sind großformatige Collagen. Gearbeitet wird mit Textilstoffen, Holzleim, Bindfaden und Acrylfarben...... Die Bilder sind nicht bloss gemalt, sondern werden auf der Leinwand richtig aufgebaut. Es sind Plastiken, kombiniert mit klassischen Maltechniken. Ihre Räumlichkeit wird sowohl durch ihre materielle Verschichtung als auch durch das gemalte Licht erreicht....

Die hier ausgestellten Arbeiten sind de facto monochrom. Das Schwarz-Weiß-Grau ist eine bewusste Reduktion....

Was mich an den Arbeiten weiter fasziniert, ist die Tatsache, dass man bei ihnen deutlich den Prozess ihrer Entstehung mitverfolgen kann. Ihr Aufbau ist eine Aktion. Die Künstlerin bearbeitet das Material in einer Art Entzückung. Es ist ein Prozess der materiellen Manipulation, des haptischen Kontakts des Künstlers mit dem Stoff, mit dem Leim und der Farbe. Es ist ein körperlicher Kontakt.....

Christiane Schedelgarn stellt sich nicht einfach hin und malt. Vor dem eigentlichen Arbeitsgang vergehen oft Tage und Wochen. Sie macht keine Entwürfe, sie fertigt keine Skizzen für ihre Arbeiten an. Die Vorbereitung ist anderer Art. Sie liegt im Seelischen. Und nur der Künstler weiss, wann es soweit ist.

Sie probiert das Material. Optisch, haptisch. Sie macht sich mit ihm vertraut. Sie lässt eine Verbindung zwischen ihrem Körper und dem Stoff entstehen. Und da wir wissen, dass das Seelische der Leib ist, dass das Un- und Vorbewusste, und die Erinnerung und die Verdrängung auch nur auf der Basis unserer Leibfunktion möglich sind, können wir diese Arbeiten als eine Emanation der Künstlerin bezeichnen.... Es sind Apospasmen ihrer inneren Welt. Aus ihr herausgerissene Fragmente....

Und so möchte ich Ihnen zum Schluss noch eine ganz private Interpretation der hier ausgestellten Arbeiten liefern. Bis jetzt habe ich mich auf den dynamischen Aspekt ihrer Bilder konzentriert, auf den Prozess ihrer Entstehung. Wenn man zurück tritt, inne hält und die Gemälde selber sprechen lässt, sieht man, dass es eigentlich Sedimente sind. Es sind Funde, wie in der Archäologie. Sie erinnern mich an Fossilienfunde nicht nur, weil ich in einem von ihnen den ersten prähistorischen Archeopterix sehe. Sondern, weil ich in dem echten Archeopterix immer schon seine gebrochenen, versteinerten Flügel sah, also ein Geschöpf, das einmal fliegen wollte....

Als Fossilien, deutsch “Ausgrabungen”, werden Zeugnisse des vergangenen Lebens bezeichnet. Auch hier, bei den Bildern von Christiane Schedelgarn, kann man von Zeugnissen der Vergangenheit sprechen. Die Bilder kann man auch als künstlerische Sedimente ihrer ganz persönlichen Erfahrung auffassen. Denn wenn sie ihrer Entstehung der leiblichen Interaktion der Künstlerin mit dem Material, den Farben, den Stoffen verdanken, wie ich es oben geschildert habe, hat der Leib der Künstlerin in ihnen seine Spuren hinterlassen....

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

Stepan Benda, Kunsthistoriker

 

 

“sediment 1”  120 x 150 cm

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“sediment 2”  160 x 100 cm

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“sediment 3”  70 x 50 cm

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“sediment 4 und 5”  je 80 x 50 cm

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“sediment 6”  50 x 70 cm

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“sediment 8”  150 x 120 cm